Einsatzübung „Technische Hilfe VU“ am 17.10.2011

Im Rahmen unseres Übungsdienstes am 17.10.2011 haben wir geprobt, welchen Herausforderungen bei der technischen Hilfeleistung in Form eines Verkehrsunfalls (TH-VU) zwischen Pkw und Lkw begegnet werden muss. Natürlich legte der Einsatzleiter, Ralf Struth, auch hier Wert darauf, den Einsatz korrekt nach Lehrbuch, d.h. der Feuerwehrdienstvorschrift (FwDv) 3 abzuarbeiten.

Dazu hat sich unser Wehrführer Sascha Schneider eine Situation ausgedacht, wie sie sich im Prinzip jeden Tag auf unseren Straßen ereignen kann: Ein Pkw-Fahrer fährt nach Einbruch der Dunkelheit aus Unachtsamkeit auf einen stehenden Grünschnitt-Lkw auf, der wegen einer Panne am Fahrbahnrand abgestellt wurde. Durch den Aufprall schiebt sich der Pkw unter den Container-Aufbau und drückt die Fahrgastzelle ein. Fahrer und Beifahrer werden im Auto eingeklemmt und erheblich verletzt. Um das Szenario realistisch zu gestalten, konnten wir für die Übung auf einen Grünschnitt-Lkw einer ansässigen Recycling-Firma und auf einen schrottreifen Pkw Opel Astra zurückgreifen.

Nach dem Eintreffen an der Einsatzstelle bestimmt der Gruppenführer zunächst die Aufstellung des Hilfeleistungs-Löschfahrzeugs (HLF) 16, das der Maschinist mit Abblendlicht, Blaulicht und Warnblinker sichert. Als unmittelbar eingesetztes Feuerwehrfahrzeug wird das HLF vom Maschinisten ca. 10 Meter von der Einsatzstelle entfernt abgestellt und ermöglicht in der Praxis so nachrückenden Rettungsfahrzeugen den Zugang zur Unfallstelle. Der Maschinist hilft anschließend bei der Entnahme der Geräte vom Fahrzeug und bedient die technischen Einrichtungen seines HLF.

Nach seiner Erkundung der Lage kehrt der Gruppenführer zur Mannschaft zurück und befehlt uns nach dem Kommando „Absitzen!“, sich vor dem Fahrzeug aufzustellen. Damit werden die grundsätzlichen Aufgaben der einzelnen Trupps festgelegt, wobei die Mannschaften abteilungsübergreifend vorgehen, um die anstehenden Aufgaben möglichst sinnvoll auf die anwesenden Einsatzkräfte zu verteilen.

Vordringlichste Aufgabe des Angriffstrupps ist das Retten, er leistet also bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes Erste Hilfe und hat den ersten Kontakt zu den Unfallopfern. An ihn richtet sich auch der Befehl des Gruppenführers:

„Angriffstrupp zur Menschenrettung mit Schere und Spreizer auf direktem Wege vor!“

Entsprechend der Aufstellung wissen die einzelnen Trupps jetzt genau, was sie zu tun haben. Nachdem der Angriffstruppführer den Einsatzbefehl laut wiederholt hat, sichert der Wassertrupp des HLF als erstes die Einsatzstelle gegen typische Gefahren ab, also in diesem Fall der fließende Verkehr und die Dunkelheit. Dazu stellt er Verkehrsleitkegel und Warndreiecke vor und hinter der Einsatzstelle auf. Dabei kann er von der Besatzung des ebenfalls vor Ort anwesenden MTF 19 unterstützt werden, da dieser ebenfalls geeignetes Material zur Absicherung und Ausleuchtung des Bereichs im Fahrzeug mitführt.

 Zusätzlich zu unseren vorhandenen Flutlichtstrahlern konnten wir erstmals unsere neue Errungenschaft, den sog. „PowerMoon“, ausgiebig testen. Diese neuartige Beleuchtungseinrichtung wurde uns durch eine großzügige Spende der Firma SES Umwelttechnik in Heidenrod zur Verfügung gestellt und ermöglicht eine blendfreie und tageslichtähnliche Ausleuchtung.

Nachdem der Wassertrupp seine Aufgaben schnell erledigt hat, kann er sich für den Schlauchtrupp des HLF bereithalten, der bereits damit begonnen hat, folgende Gerätschaften für den Angriffstrupp auf einem eigens dafür hergerichteten Ablageplatz bereitzustellen:

  • Hydraulisches Rettungsgerät
  • Unterbaumaterial zum Abstützen der Unfallfahrzeuge
  • Glasmanagement-Koffer einschl. Klebefolien
  • Mundschutz
  • Werkzeugkiste
  • Brecheisen
  • Handlampe(n)
  • Erste Hilfe-Koffer
  • Decken, Helm für den Patienten
  • 2fach Brandschutz (Feuerlöscher, Schnellangriff-Schlauch)

Spätestens jetzt wird deutlich, dass eine gewisse Ordnung an der Unfallstelle unerlässlich ist, um ein sicheres Arbeiten sowie ein ungehindertes Abrücken der Einsatzkräfte zu gewährleisten. Dabei wird eine Einsatzstelle in mehrere Bereiche aufgeteilt:

  • Aufstellflächen für die Einsatzfahrzeuge
  • Arbeits- und Absperrbereich
  • Ablageflächen sowie weitere Bereitstellungsräume für die Einsatzmittel
  • Ablageflächen für nicht mehr benötigte Schrottteile o.ä.

Der Arbeitsbereich befindet sich in einem Radius von circa 5 Meter um das Unfallfahrzeug (= unmittelbarer Gefahrenbereich). Hier halten sich nur Einsatzkräfte auf, die unmittelbar mit der Rettung der eingeklemmten Person beschäftigt sind, also der Angriffstrupp, der Wassertrupp und der Notarzt mit Sanitätern.

Der Absperrbereich ist der Bereich außerhalb des Arbeitsbereichs in einem Abstand von ca. weiteren 5 m. Hier wird von der Feuerwehr eine Ablagefläche für technische Geräte sowie eine weitere für aus dem Arbeitsbereich entfernte Gegenstände (Schrottablage) eingerichtet.

Der Wassertrupp, der inzwischen die Sicherung des Brandschutzes mit Pulverlöscher und einsatzbereitem Schnellangriffsrohr übernommen hat, hält sich in diesem Bereich auf.

Nach dem Sichern der Fahrzeug gegen Abrutschen heißt es dann Öffnen der Türen, Trennung der Fahrzeugholme, Aufspreizen des Fußraumes und – sofern erforderlich – komplettes Entfernen des Fahrzeugdaches.

Zum Schluss haben wir noch alternative Methoden ausprobiert, wie sich Zugang zu in einem Pkw eingeklemmten Personen verschafft werden kann.



Text und Bild: Feuerwehr Kemel

 

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