Klare Absage an Drogen: Kemeler Jugendfeuerwehr informiert über Suchtgefahren

Für schlappe 2,6 Kilometer benötigt der 16-jährige Christian sechs Minuten mit dem Auto und gerät dabei acht Mal von der Fahrbahn ab. Doch er hat noch einmal Glück gehabt, denn seine Autofahrt unter Alkoholeinfluss fand lediglich auf dem Fahrsimulator der RheinlandPfälzer Polizei statt.

„Wir wollen ohne Drogen, Alkohol und Nikotinsucht leben“, lautet die klare Ansage der Jugendfeuerwehr Kemel, die gemeinsam mit der Jugendpflege Heidenrod am 17.04.2010 zu ihrem ersten Aktionstag in die Römerhalle eingeladen hatte. Die derzeit acht Mitglieder der Jugendfeuerwehr hätten die Initiative ergriffen, mehr in die Öffentlichkeit zu gehen, um sich zu präsentieren, so Ralf Struth, seit November Jugendfeuerwehrwart. Dazu wolle sie auch bei weiteren Aktionstagen bewusst soziale Probleme ins Visier nehmen.

Betroffene kommen nicht

Landrat Burkhard Albers, der die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen hatte, betonte noch einmal, wie wichtig das Thema sei. Es gehöre viel Mut dazu, betroffene Menschen, die einem selbst nahe stünden, auf Alkohol- oder Drogenmissbrauch anzusprechen.

Auch Bürgermeister Harald Schmelzeisen zeigte sich dankbar, dass gerade die Jugendfeuerwehr das Thema Suchtprävention erneut aufgegriffen hat, nachdem es in den vergangenen Jahren immer wieder Veranstaltungen über Suchtgefahren seitens der Gemeinde gegeben hatte. „Aber leider ist es wie bei einem Elternabend: Diejenigen, die es betrifft, kommen leider nicht“, bedauerte der Bürgermeister in seiner Ansprache. Umso mehr hatten Interessierte Gelegenheit, sich zu informieren: Rüdiger Klos von der Fahrschule Günther Klos berichtete über rechtliche Konsequenzen bei Alkohol am Steuer, während Jugendpflegerin Kerstin Andußies den Besuchern das Jugendschutzgesetz auf spielerische Weise näher brachte.

Besonders begehrt waren die Rauschbrillen für Tag oder auch Nacht, die zwei Mitarbeiter der DAK all denjenigen aufsetzten, die einen Parcours laufen, dabei einen Kugelschreiber vom Boden aufheben und zugeworfene Bälle fangen wollten.

Vom Weg in die Sucht

Aber was sich so einfach anhört, ist unter dem nachgeahmten Einfluss von 0,8 bis 1,4 Promille fast unmöglich, wie mancher Teilnehmer erschrocken feststellte. Neben Filmvorträgen bot auch die Selbsthilfegruppe der Guttempler Broschüren zur Aufklärung, dazu leckere Rezepte für alkoholfreie Partygetränke.

Was es aber tatsächlich bedeutet, süchtig zu sein, über den oftmals unbemerkt schleichenden Weg in die Sucht hinein, und den langen, steinigen Weg zurück in ein normales Leben, berichteten drei Bewohner des Bad Schwalbacher Therapiedorfes Villa Lilly.
Zusammen mit Krankenpfleger Thomas Giebel waren die jungen Leute der Einladung zum Aktionstag gefolgt und erzählten, wie sie in die Abhängigkeit von Drogen und Alkohol geraten waren: Anfangs habe man lediglich nur ungehemmt sein wollen, oft habe aber auch Gruppenzwang dazu beigetragen. Dabei gibt es in einem Umfeld Gleichgesinnter zunächst auch keinen Grund, das eigene Verhalten zu ändern.

Der Verlust von Partner, Familie und Job sei quasi vorgezeichnet. Erst spät komme die Erkenntnis, in eine gefährliche Abhängigkeit geraten zu sein und Hilfe zu benötigen.

Späte Erkenntnis

Dabei hätten sie sich bereits im Vorfeld mehr Zeit und Liebe, Regeln und Konsequenzen von ihren Eltern gewünscht, so die Betroffenen, die durch die offene Schilderung ihrer persönlichen Erfahrungen einen maßgeblichen Beitrag zur Präventionsarbeit leisteten.



Text: Sabine Posse

 

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