Geisterbahn im gruseligen Gerätehaus

„The Family Butcher“ – der Familienmetzger – steht auf Rothhaars Schürze, auf der zudem nachgemachte Finger, Ohren und Augen kleben. Ein Armbändchen aus kleinen Totenköpfen und aufgeschminkte Narben komplettieren die Maskerade. Doch die Kinder schreckt Rothhaar nicht: Eifrig verteilt er Knicklichter, die sich jeder um den Hals hängen kann.

Eine Halloween-Party steigt in Kemel zum ersten Mal. „Sonst haben wir eher traditionelle Feste veranstaltet, diesmal wollten wir speziell etwas für Familien anbieten“, berichtet der Feuerwehrmann. Die Resonanz bei der Premiere ist beachtlich. Als Draculas verkleidete Väter und Mütter im Hexengewand begleiten ihren Nachwuchs.
Überhaupt hat sich die Mehrheit der Besucher kostümiert. Ein blasser Teint ist Ehrensache, schwarze Oberbekleidung nicht nur etwas für Trendsetter. Skelette unterhalten sich mit knallig-orange leuchtenden Kürbissen auf zwei Beinen. Hellebarden mit einem Drachenkopf und Plastik-Kettensägen dienen als Accessoires.
Das Gerätehaus haben die Wehrleute dem gruseligen Anlass entsprechend ausstaffiert. Von den Decken hängen Spinnen, die größer als Fußbälle ausschauen. Eine Piratenflagge hängt an einer Feuerschutztür, vor der Vogelscheuche daneben hätte wohl die dreisteste Krähe höchsten Respekt. Selbst auf dem Weg zu den Klos lauern Geister.

Als größtes Schmuckstück des Interieurs erweist sich ein Friedhof mit Grabsteinen und Holzkreuzen, auf denen wie Blut roter Lack seine Bahnen zieht. In einem offenen Sarg fläzt sich ein Attrappen-Männchen, das zu Lebzeiten unter enormen Zahnproblemen gelitten haben muss. Eltern schießen Erinnerungsfotos mit ihren Kindern und der „Leiche“. Später eröffnet die Feuerwehr eine Geisterbahn voller Spinnweben und Gespenster. Eine Nebelmaschine und Blitzlichter verfeinern die Atmosphäre zusätzlich.

Zuvor haben die Kinder Kürbisse geschnitzt und mit Filzstifte ihre Namen auf die Exemplare geschrieben. Es gibt Preise für das grausige Gemüse und die hässlich-schönsten Kostüme. Vor Ort besteht die Möglichkeit, sich an einem Schminktisch das Gesicht verzieren zu lassen und dann wie ein Untoter um ein Lagerfeuer zu springen.

„Wir wollen das Ganze noch weiter ausbauen“, erklärt Rothhaar zum Halloween-Fest in Kemel, das abends die Erwachsenen gemütlich ausklingen lassen. Kulinarisch haben die Gastgeber natürlich ebenso vorgesorgt. Kürbissuppe dampft in den Tellern, unkonventionell wird roter und grüner Wackelpudding serviert: Der geht in Kunststoffspritzen über die Theke. Neben unverfänglicheren Produkten steht „Gehirn“ auf der Getränkeliste. Es handelt sich um einen Schnaps von schwierig zu definierender Farbe – Happy Halloween. Es war eine rundum gelungene Party für Groß und Klein.



Text: Thorsten Stötzer